Die Bukowina in Europa
Die Bukowina ist in kultureller und historischer Hinsicht in Europa etwas Besonderes: Das Gebiet gehörte im Laufe der Jahrhunderte verschiedenen Staaten an, doch anders als in vergleichbaren Regionen haben sich in der Bukowina Traditionen des toleranten Zusammenlebens von Menschen verschiedener Ethnien und Religionen entwickelt. Besonders während der Zugehörigkeit zur österreichisch-ungarischen Donaumonarchie blühten Kultur und Wissenschaft, was deutliche spuren auch in der sozialen Struktur hinterließ. Die Hauptstadt der Bukowina, Czernowitz, wurde weltweit zu einem Symbol dieses friedlichen Zusammenlebens, das mit einer zivilisatorischen und künstlerischen Blüte einherging.
In der Bukowina lebten Juden, Deutsche, Ukrainer, Polen, Armenier und Rumänen - heute ist die überwiegende Mehrheit der Bewohner dieses Landstrichs ukrainischer Nationaliät. Totalitäre und nationalistische Herrschaftssysteme führten im 20. Jahrhundert zum Verfall und zur Deformation der gewachsenen ethnisch-sozialen Strukturen und des Wirtschaftslebens der Bukowina. Besonders negative und tragische Folgen hatten Repressionen, Deportationen und Vernichtungsaktionen gegen die einheimische Bevölkerung durch die rumänischen Faschisten, deutschen Nationalsozialisten und sowjetischen Stalinisten.
Nach der Auflösung der Sowjetunion ist es daher besonders wichtig, in der Nordbukowina, dem heutigen Oblast’ Tscherniwzi an die früheren positiven Traditionen in den interethnischen und interreligiösen Beziehungen anzuknüpfen und grenzüberschreitend, durch kulturellen und gesellschaftlichen Austausch auf eine Atmosphäre des friedlichen Miteinanders hinzuarbeiten.